Zur Geschichte der Kreuzkirchgemeinde

Sie hat weder graues Haar noch einen Krückstock."Sie" ist nämlich eine Gemeinde, die in Leipzig, in der Kreuzkirche, ihr Zuhause gefunden hat. Winzig klein, wie ein Senfkorn, war ihr Anfang. Es begann 1888 in einer Wohnung, in der sich zugereiste Methodisten zu Andacht und Bibelstudium versammelten. Am 30.10.1889 konnte ein kleines Versammlungslokal bezogen werden. Seit dem gilt dies als der eigentliche Geburtstag der Gemeinde. Trotz vieler Widerwärtigkeiten - erneuter Raumwechsel und auch "Anfeindungen" durch Pfarrer, die meinten, die neue "Sekte" bekämpfen zu müssen - führte der selbstlose Einsatz an Zeit und Liebe unter dem Segen Gottes zu einem langsamen, aber stetigen Wachstum der Gemeinde. Im Jahre 1910 hielten die ersten Diakonissen des Bethanien-Vereins ihren Einzug in Leipzig. Ihr vorbildlicher Dienst und ihr klares Bekenntnis, besonders auch der späteren folgenden Gemeindeschwestern, führte manchen Suchenden in die Gemeinde.


Apsis und Rundbogenfenster seit 1950

Der erste Weltkrieg und die danach folgende Inflation und Arbeitslosigkeit gingen an der Gemeinde nicht spurlos vorüber. Dennoch wurden die düsteren Jahre erhellt durch die Mögllichkeit, ein eigenes Grundstück erwerben zu können: Sidonienstr. 26, heute Paul-Gruner-Str., die Villa eines Leipziger Verlegers. Der Einbau eines Kirchenraumes erwies sich aber zu aufwendig, so entschloß man sich zum Bau einer Kirche mit Mittel- und Seitenemporen. Bischof Dr. Melle weihte die Kirche 1921. Die Freude war groß. Als 1940 dann auch noch eine Weigele-Orgel in den Dienst genommen werden konnte, erfüllte sich ein weiterer Wunsch.
Die Jahre des nationalistischen Ungeistes beeinflußten auch die Gemeindearbeit. Pastor Max Stemmler sorgte in jener Zeit dafür, daß durch eine ernste und tiefgründige Verkündigung und Seelsorge die Gemeinde erbaut werden konnte.
Der zweite Weltkrieg brachte unsägliches Leid über die Gemeinde: 33 junge Brüder mußten das Leben lassen. Am 20.10.1943 fielen Brandbomben auf die Kirche. Die Aufbauarbeiten waren noch nicht abgeschlossen, als sechs Wochen später, am 4. Dezember, die Kirche erneut von Bomben getroffen wurde. Diesmal legten sie Kirche und Villa in Schutt und Asche.

 
Blick auf die Orgelempore

Sobald es möglich war, begannen die Aufräumarbeiten:  100 000 Steine wurden abgeputzt und konnten zum Teil beim Aufbau der Kirche wieder verwendet werden. Schon 1945 wurde eine Baracke auf dem Kirchgelände aufgestellt, um Gottesdienste und andere Versammlungen der Gemeinde durchführen zu können. Auf den Grundmauern, erweitert durch eine Apsis mit zwei Rundbogenfenstern, konnte mit viel Schwierigkeiten die jetzige Kreuzkirche erbaut werden. Diese wurde dann im Sommer 1950 geweiht. Noch im gleichen Jahr konnte die Orgel eingebaut werden.
Der Wiederaufbau des Wohnhauses (ehemalige Villa) war bis zum heutigen Tag nicht möglich. Die Baracke diente als Gemeindehaus. Seit einiger Zeit plant die Gemeinde den Wiederaufbau des Gemeindehauses!
1995 aber wurde erst einmal das Dach und die Fassade der Kirche erneuert. Zu diesem Zweck wurde ene Förderinitiative ins Leben gerufen.
Gott hat die Gemeinde gebraucht, um vielen Menschen eine Zuflucht zu bieten, wo sie Besinnung, Trost und Annahme bei Gott,  ja eine Heimat finden konnten. Für manche eine begrenzte Zeit, für andere ein Leben lang.

Quelle: nach Artikel von Frau Lina Minor, 100 Jahre Kreuzkirche


Noch immer gibt es die Kreuzkirchgemeinde in der Leipziger Südvorstadt. Die zu ihr gehören, kommen aus allen Stadtteilen und aus den kleineren Orten rings um Leipzig. 400 große und kleine Leute - Kirchenglieder, Angehörige und Freunde - gehören dazu. Der sonntägliche Gottesdienstbesuch liegt bei ca. 95 Personen.

Ein Blick in unser aktuelles Gemeindeprogramm zeigt, dass sich Menschen in verschiedenen Zusammensetzungen treffen. Da gibt es den Seniorenkreis, der sich 1 Mal im Monat trifft. Männer und Frauen kommen zu einem je eigenen Treffen zusammen; Hauskreis treffen sich in einigen Stadtteilen; für Kinder und Jugendliche ist Platz. Und wie es 'bei Kirchens' so ist: die Kirchenmusik darf nicht fehlen. Dafür sorgen im Besonderen unser Kirchenchor und der Posaunenchor, die montags zum Üben zusammenkommen.

Wäre doch nun interessant zu erfahren, was sich hinter diesem seltsamen Namen
"Evangelisch-methodistische Kirche" (EmK) verbirgt?
In aller Kürze formuliert beschreiben die 3 Worte des Namens im Wesentlichen, was diese Kirche ist und wohin sie gehört

Evangelisch,
weil es 1968 eine Vereinigung zwischen der "Bischöflichen Methodistenkirche" und der "Evangelischen Gemeinschaft" gab, vor allem aber, weil die EmK in der Verkündigung des Evangeliums ihren Ursprung hat. Diese Botschaft von der Liebe Gottes, die allen Menschen ohne Vorbedingung gilt, prägt das Leben der Kirche und ihrer Mitglieder.

Methodistisch
war zunächst ein Spottname für eine Gruppe junger Studenten in England im 18. Jahrhundert. Sie versuchten konsequent und "mit Methode" ihren christlichen Glauben zu leben. Der junge anglikanische Pfarrer John Wesley (1703-1791) gilt als Begründer der methodistischen Bewegung.

Kirche
Wesley hat von Anfang an die Menschen, die durch die  methodistische Verkündigung zum Glauben gekommen waren, in Gruppen gesammelt. Politische Gegebenheiten und Widerstände der großen Kirchen führten zur Kirchengründung. Längst ist die EmK weltweit und vor Ort  verlässliche Partnerin in der ökumenischen Zusammenarbeit mit anderen Kirchen und sozial-diakonischen Einrichtungen.

Nun aber etwas ausführlicher.

Geschichte der Evangelisch-methodistischen Kirche

Vor ca. 270 Jahren treffen sich Studenten in England regelmäßig zum Bibellesen und Gebet. Sie unterstützen Arme und Kranke und machen Besuche bei Strafgefangenen.
Wegen ihrer konsequenten Haltung werden sie bald als "Methodisten" verspottet. Zu ihnen stößt der Dozent und Pfarrer John Wesley, geb. am 17.6.1703, gest. am 2.3.1791. Bald wird er zum Leiter dieser Gruppe und spürt die Herausforderung des christlichen Glaubens für alle Menschen. Mit 35 Jahren findet Wesley zu einem lebendigen Glauben. Ihm wird klar: Gott liebt mich und vergibt mir meine Schuld.

Die anglikanische Kirche Englands ist zu jener Zeit erstarrt und kümmert sich kaum um das Volk. Da immer weniger Menschen in die Kirche kommen, fängt Wesley an, unter freiem Himmel und auf öffentlichen Plätzen zu predigen. Für die damalige Zeit war das neu und ungewöhnlich; die Kirche distanzierte sich davon. Doch immer mehr Menschen lassen sich so vom Evangelium begeistern. Wesleys Botschaft: Gott liebt alle Menschen gleich. Darum dürfen gerade Arme und sozial Schwache zu ihm kommen und Heil und Heilung erfahren. Der inzwischen bekannt gewordene Anführer dieser neuen Bewegung sammelt die Menschen in so genannten "Klassen" - kleine Gruppen, die in ihren Häusern miteinander die Bibel lesen und danach fragen, wie diese Botschaft im Leben eines jeden Menschen Ausdruck finden kann.
Schließlich erwächst auf den britischen Inseln und später in den englischen Kolonien in Amerika eine Bewegung, die mit der Reformation in Deutschland zu vergleichen ist. Durch die Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika ist die Unabhängigkeit von England auch in kirchlicher Hinsicht besiegelt. So entsteht am 24.12.1784 die "Bischöfliche Methodistenkirche" in Amerika. Wesley selbst bleibt Pfarrer der anglikanischen Kirche von England.
In Amerika kommen auch deutschsprachige Auswanderer mit der gerade entstehenden Kirche in Kontakt. Einige gehen in den Jahren zwischen 1832 und 1870 als Missionare in ihre alte Heimat Deutschland zurück und gründen hierzulande methodistische Gemeinden. Sie konzentrieren sich zunächst in Süddeutschland und Sachsen. 1897 entsteht nach vielen Jahren der Auseinandersetzung mit der Volkskirche die "Bischöfliche Methodistenkirche". Durch den Zusammenschluss der "Evangelischen Gemeinschaft" und der "Bischöflichen Methodistenkirche" im Jahre 1968 entsteht die heutige "Evangelisch-methodistische Kirche" in Deutschland.


John Wesley

Die Evangelisch-methodistische Kirche als eine evangelische Freikirche

Die Evangelisch-methodistische Kirche bezeichnet sich in der Unterscheidung zu anderen  christlichen Kirchen als evangelische Freikirche. Wer sich bewusst zum Glauben an Jesus Christus bekennt, kann sich in unserer Kirche als Mitglied aufnehmen lassen. Dieses Bekenntnis, das vor der Gemeinde gesprochen wird, ist nicht an ein bestimmtes Alter gebunden  - deshalb gibt es in der Evangelisch-methodistischen Kirche auch keine "geplante" Konfirmation. Jeder und jede kann und soll den Zeitpunkt der Aufnahme in die Kirche selbst festlegen.
Mit allen evangelischen Kirchen feiern wir 2 Sakramente: die Taufe, als Zeichen der Zugehörigkeit zum Volk Gottes, und das Abendmahl, in dem uns der gekreuzigte und auferstandene Christus begegnet als der, der Schuld vergibt und Gemeinschaft stiftet.
Wie die Bezeichnung "evangelisch" in unserem Namen signalisiert, haben wir keine Sonderlehren. Grundlage des Glaubens ist die Bibel, aus der alle Erkenntnisse erwachsen. Wichtig ist uns das gemeinsame Bekenntnis: "Wir glauben an Jesus Christus." Dabei führt ein solches Bekenntnis immer zum Handeln - Glauben und Handeln lässt sich nicht trennen.
Aus dieser Überzeugung heraus ist einzig in "unserer" Kirche neben den allgemeinen Bekenntnissen ein so genanntes "Soziales Bekenntnis" entstanden, das uns immer wieder darauf aufmerksam macht, den Zusammenhang von biblischen Erkenntnissen und praktischen Tun nicht zu vernachlässigen. 

Soziales Bekenntnis der Evangelisch-methodistischen Kirche

Wir glauben an Gott, den Schöpfer der Welt, und an Jesus Christus, den Erlöser alles Erschaffenen,
und an den Heiligen Geist, durch den wir Gottes Gaben erkennen.
Wir bekennen, diese Gaben oft missbraucht zu haben, und bereuen unsere Schuld.
Wir bezeugen, dass die natürliche Welt Gottes Schöpfungswerk ist. Wir wollen sie schützen
und verantwortungsvoll nutzen.
Wir nehmen dankbar die Möglichkeiten menschlicher Gemeinschaft an.
Wir setzen uns ein für das Recht jedes Einzelnen auf sinnvolle Entfaltung in der Gesellschaft.
Wir stehen ein für das Recht und die Pflicht aller Menschen, zum Wohl des Einzelnen und der Gesellschaft beizutragen.
Wir stehen ein für die Überwindung von Ungerechtigkeit und Not.
Wir verpflichten uns zur Mitarbeit am weltweiten Frieden und treten ein für Recht und Gerechtigkeit unter den Nationen.
Wir sind bereit, mit den Benachteiligten unsere Lebensmöglichkeiten zu teilen.
Wir sehen darin eine Antwort auf Gottes Liebe.
Wir anerkennen Gottes Wort als Maßstab in allen menschlichen Belangen jetzt und in der Zukunft.
Wir glauben an den gegenwärtigen und endgültigen Sieg Gottes.
Wir nehmen seinen Auftrag an, das Evangelium in unserer Welt zu leben.
Amen.

Die Evangelisch-methodistische Kirche möchte eine missionarische und evangelistische Kirche sein. Das heißt: ihr ist daran gelegen, dass sich die Botschaft der Bibel weiter ausbreitet und Menschen zum lebendigen Glauben an Jesus Christus finden. Diese Ausrichtung und dieser Auftrag soll deutlich werden am Lebensstil ihrer Mitglieder, durch Aktivitäten der Ortsgemeinden und zugleich durch zahlreiche Einrichtungen, die die Gesamtkirche organisiert: Zeltmission, Rundfunkmission, Bibelmobil, Buch- und Zeitschriftenverlag, kircheneigenes Theologisches Seminar etc.

Am deutlichsten wird der Unterschied zwischen den evangelischen Landeskirchen bzw. der katholischen Kirche und den evangelischen Freikirchen in der Finanzierung: Die Gemeindearbeit vor Ort und die ganze Kirche finanzieren sich ausschließlich durch freiwillige Beiträge und Spenden. Das Prinzip der Kirchensteuer kennen wir nicht.

In Deutschland gibt es ca. 70.000 Glieder und Angehörige der Evangelisch-methodistischen Kirche. Weltweit zählen wir rund 70 Millionen Methodisten. Viele Gemeinden sind über Ländergrenzen hinweg partnerschaftlich miteinander verbunden.

Unsere Kirche in Deutschland entstand, als Auswanderer aus Amerika und England zurückkehrten und von ihren wichtigen Erfahrungen sprachen. Schon bald konnten Krankenschwestern, Ärzte, Lehrer und Pastoren als Missionare in die "Dritte Welt" entsandt werden. Sie halfen mit, neue Gemeinden zu gründen, die schnell wuchsen.
Doch missionarischer Eifer und gut gemeintes Handeln reichen nicht. Inzwischen haben wir gelernt, dass wir uns gegenseitig brauchen: Partnerkirchen für Deutschland z.B. sind die Methodistenkirchen in Brasilien und Russland. Sie brauchen unsere Hilfe. Aber auch wir bitten um Unterstützung.
Zugleich sucht unsere Kirche den Kontakt zu Kirchen und Gemeinden anderer Konfessionen innerhalb der "Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen". Wir arbeiten miteinander, weil uns allen derselbe Auftrag gegeben ist. Gottesdienste mit den Partnern der Evangelischen Allianz und Ökumene, Arbeitsgruppen und gemeinsame Projekte verdeutlichen diese Zusammenarbeit.

Das eben Beschriebene findet Ausdruck schließlich auch in den Signets unserer Kirche:

...eindeutig, ansprechend, international

Die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) hat ein neues Erscheinungsbild: Kreuz, Flamme, verbunden mit einem eleganten Bogen, der in den Himmel weist:
Mit einem neuen Logo hat sich die EmK in Deutschland ein eindeutiges und frisches Erscheinungsbild gegeben. Die Delegierten der EmK-Zentralkonferenz haben im November 2008 in Dresden mit großer Mehrheit den vorgelegten Entwurf bestätigt. Damit ist der Weg frei für ein einheitliches Erscheinungsbild der EmK. Alle Medien - vom Briefbogen über Visitenkarten und Internet-Auftritte bis hin zu Gebäuden - werden künftig einen unverwechselbaren optischen Charakter haben und damit auch das Image der EmK in der Öffentlichkeit prägen.

Kernstück des Erscheinungsbilds ist das neue Logo, das sich direkt an das Erkennungszeichen der weltweiten methodistischen Kirche anlehnt. Damit wird die Einbindung der EmK in die weltweite Evangelisch-methodistische Kirche deutlich und ist damit als Teil einer weltweiten Kirche für alle Betrachter sofort erkennbar. Gleichzeitig wird das vor der Wiedervereinigung vor allem im Westen Deutschlands verwendete EmK-Logo - ein Kreuz in der Weltkugel - aufgegeben. Ganz verlorengegangen ist es nicht, weil die Weltkugel als Kugelausschnitt im neuen Logo integriert ist: In dieser Welt will der Glaube an Gott heilend und verändernd erfahrbar werden.

Das Kreuz wird zum Symbol für die alles überwindende Liebe, die in der Schwachheit ihre Macht erlangt. In der Auferstehung Jesu wird diese Botschaft bestätigend offenbar. Die Flamme steht für das Pfingstgeschehen, bei dem die junge Gemeinde vom dynamischen Feuer des Heiligen Geistes erfasst wird.

"Dieses Logo macht uns unseren Auftrag neu bewusst", erklärt Bischöfin Rosemarie Wenner. "Äußerlich erhalten wir ein neues Erscheinungsbild. Innerlich leben wir von der Kraft Gottes, die sich in den ersten Christen der jungen Kirche wie auch in der Erweckungsbewegung des Methodismus den Menschen zuwandte und offenbarte."